Wirkung als Fördergrundsatz
Mit den Mitteln der Stiftung soll der Stiftungszweck möglichst effektiv und effizient erfüllt werden. Eine konsequente Wirkungsorientierung ist deshalb ein zentraler Fördergrundsatz.
Wirkungsverständnis der Somaha Stiftung
Wirkungsorientierung heisst Ausrichtung der Stiftung, ihrer Strategie, Organisation und Prozesse auf den Zweck, namentlich die Unterstützung von Menschen in Not, die Förderung einer offenen und vielfältigen Gesellschaft und den Schutz der Natur vor Ausbeutung und Zerstörung. Mit der konsequenten Wirkungsorientierung als Fördergrundsatz verfolgt die Somaha Stiftung drei Ziele:
- Projekte und Partnerschaften wirken im Sinn der Förderstrategie und der Theories of Change (ToC).
- Die Förderung schafft Grundlagen. Damit generiert sie kontextunabhängiges Wissen und macht dieses auf Kontexte ausserhalb der ToC übertragbar.
- Eine gezielte Weiterentwicklung der Förderstrategie ist möglich.
Die Studie Governance of Impact (2023), der ESADE Business School hat verschiedene Herausforderungen in der Wirkungsorientierung identifiziert. Daraus hat die Somaha Stiftung Elemente auf sechs Ebenen abgeleitet, mit welchen sie ihre Wirksamkeit zu stärken sucht (vgl. nachfolgende Tabelle). Diese umfassen organisatorische, prozessuale und inhaltliche Wirkungselemente.
Somaha Wirkungsorientierung
Ziel der Wirkungsorientierung ist es, ein gemeinsames Verständnis von Wirkung zu entwickeln, mit den Förderpartnern zu spiegeln und konsequent anzuwenden. Dies beinhaltet, Wirkung zu planen, zu erfassen, und zu prüfen, sodass daraus gelernt werden kann. Der Stiftungsrat ist für das normative Management verantwortlich. Das heisst, die Übersetzung des Stiftungszwecks in Werte, und eine Förderstrategie. Die Stiftung nutzt in Bezug auf Wirkung eine bewusste, einheitliche Sprache mit klaren Begriffen.
Effizienz und Effektivität sind Voraussetzungen für die maximale Wirkung der Fördertätigkeit. Als Grundlage für die Fördertätigkeit und die Wirkungsmessung in ihren drei Themen verwendet die Somaha Stiftung ToCs. Vergaberichtlinien definieren die Bedingungen und Kriterien für die Vergabungen der Stiftung. Sie werden regelmässig überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Governance schafft Prozesse für eine gezielte Wirkungssteuerung und Weiterentwicklung der Wirkung. Der Stiftungsrat regelt seine Verantwortung, Aufgaben und Kompetenzen in einem Handbuch. Das Gremium pflegt eine offene und effiziente Diskussions- und Entscheidkultur. Die breite Palette der Förderpartner ist aktuell nicht im Stiftungsrat abgebildet. Die Expertise in der Geschäftsstelle schliesst diese Lücke. Die Somaha Stiftung verfolgt eine klare Trennung von Kompetenzen zwischen Stiftungsrat und Geschäftsstelle. Die Umsetzung der Förderentscheide liegt allein in der Verantwortung der Geschäftsstelle. Die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle haben klare, individuelle Ziele und angestrebte Schlüsselergebnisse. Wirkung ist ein festes Traktandum in Stiftungsratssitzungen, in Planungs- und Reportingmeetings sowie in internen Partnermeetings. Teammitglieder, die in direktem Austausch mit den Förderpartnern stehen und an Steering Committee Meetings teilnehmen, sind Teil der Wirkungs-Diskussion in Projekten.
Orientierung schafft Gefässe für die einfache und richtungsweisende Wirkungsdarstellung. Ein Beispiel dafür ist das Somaha Lokalisierungsmodell. Dieses bietet eine Struktur für die Analyse der Ausgangssituation und die Entwicklung des Zusammenspiels zwischen internationalen NGOs und deren lokale Partner. Die schriftliche Berichterstattung erfolgt für jedes Projekt jährlich durch den Förderpartner.
Partizipation ermöglicht den konsequenten Einbezug von Anspruchsgruppen und die Möglichkeit der integrierenden Mitwirkung beteiligter Akteure. Im Austausch mit den Förderpartnern erfolgt der Einbezug intensiv in der gemeinsamen Projektentwicklung und während des Projekts im regelmässigen Austausch im Rahmen eines Steering Committees. In diesen Steering Committees sind neben der Somaha Stiftung und deren Förderpartner auch weitere Anspruchsgruppen, wie andere Förderstiftungen, die gemeinsam mit der Somaha Stiftung Projekte fördern, und unabhängige Experten vertreten.
Das Somaha Wirkungsmodell ist öffentlich zugänglich und ist damit offen für die Partizipation weiterer Akteure an dessen Weiterentwicklung, zusammen mit Stiftungsrat, Geschäftsstelle und Förderpartner. Das ermöglicht auch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Wirkungsorientierung.
Zur Strukturierung der Fördertätigkeit definiert die Somaha Toolbox einerseits Instrumente und andererseits Wirkungsarten. Die Förderinstrumente der Somaha Stiftung sind grundsätzlich Projektförderung, Programmförderung, Impact Investing und eigene operative Tätigkeit. Die angestrebten Wirkungsarten sind Nothilfe, Kompetenzaufbau und -vermittlung, Kompetenzanwendung sowie Gemeinschaftsbildung. In allen drei Somaha Themen unterstützt die Stiftung den Kompetenzaufbau und die Kompetenzvermittlung durch ihre Förderpartner. Im ersten und dritten Thema unterstützt sie zudem die Kompetenzanwendung. Im ersten Thema leistet die Somaha Stiftung zusätzlich Nothilfe; im zweiten trägt sie zur Gemeinschaftsbildung bei. Sämtliche Stiftungstätigkeiten erfolgen in der Form der Projekt- und Programmförderung sowie mittels Impact Investing. Aktuell verzichtet die Somaha Stiftung aus Ressourcengründen auf eigene operative Tätigkeit.
Das Wirkungsmodell der Somaha Stiftung stellt die ToC der drei Themen generisch dar:
- Menschen in Not
- Offene und vielfältige Gesellschaft
- Naturschutz
Die drei ToC zeigen die involvierten Akteure und deren Zusammenspiel. Die Wirkung der Fördertätigkeit, unten abgebildet im Somaha Wirkungsmodell, ergibt sich über eine Kausalkette vom Mitteleinsatz der Stiftung bis zu Veränderungen auf systemischer Ebene. Damit erfüllt die Stiftung ihren Zweck und leistet einen Beitrag zu den entsprechenden Sustainable Development Goals (SDGs). Struktur bietet die Logik eines sogenannten IOOI-Modells (Bertelsmann Stiftung, 2010), welches die Wirkung wie folgt strukturiert:
- Input: Mitteleinsatz der Stiftung
- Output: Angebote für die Zielgruppen; Voraussetzung für Wirkung im Sinn von Gliedern der Kausalkette
- Outcome: Beitrag zu einer Vision; Wirkung für eine konkrete Zielgruppe
- Impact: Vision, zu der die Förderung einen Beitrag leistet; Wirkung im Sinn von Veränderungen auf systemischer Ebene
Somaha Wirkungsmodell
Veränderungen bei den Förderpartnern werden als Output betrachtet, wenn sie als Grundlage für deren Tätigkeit dienen, und als Outcome, wenn sie eine eigenständige strukturelle Veränderung auslösen.
Im Somaha Wirkungsmodell entfaltet sich direkte Wirkung kurzfristig und unmittelbar neben der Nothilfe in konkreten Projekten vor Ort. Lediglich indirekt wirkt die Stärkung der Schweizer Förderpartner und lokaler Organisationen. Diese Stärkung hat indessen einen grossen Hebel, indem sie die konkreten Projekte multiplizierbar und nachhaltig macht.
Auf der Ebene der Schweizer Förderpartner (internationale Nichtregierungsorganisationen, INGOs) stärkt die Somaha Stiftung Qualität, Relevanz und Reichweite. Ein Fokus ist dabei die Organisationsentwicklung im Hinblick auf die Bereitschaft und Fähigkeit zur Lokalisierung, das heisst die Stärkung von Organisationen und Gemeinschaften vor Ort durch die Erhöhung von deren Selbständigkeit und Selbstbestimmung. Lokalisierung umfasst folgende Ebenen:
- Befähigung: Begleitung im Aufbau von inhaltlichen/ fachlichen, finanziellen und organisatorischen Fähigkeiten
- Ermächtigung: Stärkung der Entscheidungs- und Handlungskompetenzen in der Mittelbeschaffung und Mittelverwendung
- Ermöglichung: Aktive Mitgestaltung der strukturellen Rahmenbedingungen
Dabei unterstützt die Stiftung ihre Förderpartner bei der Entwicklung von Konzepten und Instrumenten zur Lokalisierung sowie bei deren Anwendung in der Befähigung und Ermächtigung von (Partner-) Organisationen und Gemeinschaften vor Ort. Insofern ist Lokalisierung ein Prozess. Der Grad der Lokalisierung ist Ausdruck des Fortschritts in diesem Prozess. Insofern ist die Lokalisierung Ausdruck des Stands und der Art der Zusammenarbeit von INGOs mit Organisationen bzw. Gemeinschaften vor Ort.
Das IOOI-Modell verortet Wirkung typischerweise nur im Outcome und im Impact. Neben der Wirkung in der Kausalkette wirkt die Fördertätigkeit der Somaha Stiftung auch auf deren Grundlagen. Zum Beispiel ist die Lokalisierung im Kontext der ToC ein Output; als Grundlage für die Tätigkeit lokaler Organisationen ist sie indessen ein eigenständiges Outcome. Insofern versteht die Somaha Stiftung auch Veränderung beim Schweizer Förderpartner und bei lokalen Organisationen, sei es in der Organisation, Strategie oder Governance, als Wirkung.